Portfolio im Fachunterricht

In den unten aufgeführten Erfahrungsbereichen werden mögliche Vorgehensweisen bei der Erarbeitung eines individuellen Wahlthemas dokumentiert.

 

  Naturwissenschaften

Die Behandlung eines Themas (hier Erarbeitung eines Haustierratgebers) beinhaltet aus didaktisch-methodischer Sicht die Erarbeitung eines Grundwissens zum Thema (hier Nutztiere und der Wandel vom Nutz- zum Haustier), die vertiefende Arbeit an einem von den SchülerInnen selbst bestimmten Wahlthema und der daran anschließende Präsentation mit Rückmeldung. Die Erarbeitung, Planung und Präsentationsvorbereitung eines Ratgebers wird durch Gespräche zwischen den Lernenden und dem Lehrenden begleitet, so dass eine individuelle Lernberatung stattfinden kann.
Die individuelle Arbeit zur vertiefenden Erarbeitung des Fachwissens innerhalb eines bestimmten Fachgebiets erfolgt hierbei kriterienorientiert. Neben einer Absprache über die Kriterien auf inhaltlicher Ebene werden im Verlauf des Vorhabens mit den SchülerInnen Kriterien für einen guten Vortrag vereinbart. Diese sind den SchülerInnen in den meisten Fällen aus der Arbeit in anderen Erfahrungsbereichen präsent und müssen nicht gänzlich neu erarbeitet werden.
Die Erarbeitung der Grundlagen findet mit Hilfe von entsprechenden Methoden (Lesemethode, Texterschließung, Mindmap, Auswertung von Filmen, Internetrecherche,…) statt. Für die Erarbeitung des individuelle Wahlthemas und der Erstellung einer Präsentation (in diesem Fall: Ein Haustierratgeber) werden spezielle Arbeitstechniken   und   Methoden   angewendet   (Interview,   Bibliotheksrecherche, Besuch einer Haustierpraxis, Beobachtung von Haustieren mit Beobachtungsprotokollen, Materialien auswerten, Texte schreiben, überarbeiten in Reinschrift bringen, Texte bebildern, Ratgeber gestalten, Präsentation vorbereiten,…).
Die   Präsentation  der  Ergebnisse  kann  im   Gruppenverbund,  auf   Eltern-Kind Nachmittagen oder im Jahrgang stattfinden.

 „Tiere in unserer Obhut“ - Erstellung eines Haustierratgebers
Im Jahrgang 7 haben die SchülerInnen gemeinsam mit ihrem Lehrer in  einem  Unterrichtsvorhaben zum  Thema  „Tiere  in  unserer  Obhut“  gearbeitet. Dieses Unterrichtsprojekt ist im Rahmenthemenkonzept für den Jahrgang innerhalb des Kernbereichs „Die lebendige Welt und der Einfluss des Menschen“ einzuordnen. Zunächst haben alle SchülerInnen gemeinsam im Unterricht Kenntnisse über Nutztiere erworben. Sie haben sich mit Themen wie Zucht, Wildformen, Nutzung am Beispiel von Rindern und die Nutzung am Beispiel eines Hundes beschäftigt. Dies geschieht in der Regel mediengestützt und mit Hilfe von altersangemessenen Informationstexten, die Sinn erfassend gelesen und bearbeitet werden.
Erweitert wird das Grundwissen über Nutztiere mit der Veränderung der Nutztierhaltung hin zum Haustier. Wie Hunde zu Haustieren wurden und mit welcher Verantwortung die Hundehaltung verbunden ist, ist ein erweiterter Baustein dieses Vorhabens. Über die Erziehung und Pflege von Hunden und Papageien gelangt man zur Auseinandersetzung darüber, ob und wie Haustiere artgerecht gehalten werden können. Eine Gruppendiskussion über die Verantwortung innerhalb der Tierhaltung schließt die Erarbeitung des Grundlagenwissens ab.
Anschließend erarbeiten die SchülerInnen einen Haustierratgeber anhand eines frei wählbaren Tieres. Hierbei sammeln sie zunächst Ideen für die individuelle Arbeit am Haustierratgeber   und   suchen   sich   ein   Haustier   für   die   Bearbeitung   aus. Anschließend arbeiten sie am Ratgeber mit Hilfe der erarbeiteten kriterienorientierten Arbeitsanleitung und erstellen – nach einer ausführlichen Recherche – Vorfassungen der Texte, die zur Korrektur vorgelegt werden (Umfang 3 – 5 Seiten). Die Strukturierung der Ratgeber wird im Unterricht erarbeitet und besprochen. Informationsquellen für die thematische Arbeit sind Bücher, eigene Erfahrungen mit dem Haustier, Interviews mit Spezialisten (Zoohändler, Tierfutterhersteller, Tierärzte, Züchter, Personal in Tierheimen) und die Internetrecherche.
Begleitend findet eine Kriterienentwicklung für die Präsentation innerhalb der Gruppe statt.
Die individuell erstellten Ratgeber werden Eltern und SchülerInnen im Rahmen eines Eltern-Kind Nachmittages in Form von kleinen Vorträgen präsentiert.
Der Dialog über das Vorgehen, Lernvereinbarungen und Arbeitsvorgehen finden in individuellen  Beratungen  durch  die  Lehrkraft  statt.  Eine  Eigenreflexion  mittels
Portfolio-Rückmeldebogen gibt Anlass, über das Gelernte und den Prozess nachzudenken und das Produkt zu bewerten. Mit Hilfe von standardisierten Reflexionsbögen findet eine Fremdreflexion durch MitschülerInnen statt. Die Gesamtreflexion und schriftliche Rückmeldung durch den Lehrer (als Zusammenfassung  mit  Einschätzung/  Rückmeldung  durch  den  Lehrer  für  den Lernbericht) schließt das Vorhaben ab.

Haustierratgeber_Beschreibung des Unterrichtsvorhabens

 

 

Portfoliobeispiel "Kleiner Ratgeber zur Haltung von Ratten"

 

 

Soziale Studien/Deutsch



Ein Portfolio stellt die individuellen Bemühungen, Fortschritte und Leistungen von SchülerInnen in unterschiedlichen Unterrichtsbereichen dar. Das erfordert  didaktische Konzepte, die die Lernenden aktivieren und zur Selbständigkeit sowie Eigenverantwortung herausfordern sollen.

Im Folgenden wird das Vorgehen am Unterrichtsbeispiel ‚Mittelalter‘ dokumentiert, was zum  festen Bestandteil des Curriculums im Jahrgang 7der Laborschule gehört.

Zunächst erarbeiten die SchülerInnen Basiswissen über die  o.g. Zeit, wie z.B. „Mittelalter, was ist das? Wurzeln, Weltbild, Ständeordnung im Mittelalter“, was in einem Arbeitsheft zusammengestellt wurde.


Um in einem hohen Maße selbständig und auch selbstbestimmt lernen zu können, überlegen die SchülerInnen anschließend ein individuelles Thema, wozu sie zunächst  in der Bibliothek dem Internet recherchieren, um zu schauen, ob es passendes Material gibt, um sich erst  dann für ein individuelles Thema zu entscheiden.
Themen könnten z.B. sein:

 

  • Herrscher im Mittelalter:

Wer wurde König? Der Reiskönig. Wie regiert ein König? Königliche Familie. Kindheit und Jugend. Karl der Große, ein großer deutscher Herrscher.

  • Das Leben auf dem Land:

Der Bauer und der Grundherr; Abgaben und Dienste; Neuerungen in der Landwirtschaft;  die Arbeit der Frauen.

  • Das Leben in der Stadt:

Wovon lebten die Menschen? Entstehung der Städte; Handwerk und Zünfte; Handel und Kaufleute; Wer regierte die Stadt?

  • Das Leben auf einer Burg:

Aufbau und Einrichtung einer Burg; Burgherr / Burgherrin / Kinder: Wie lebten sie?

  • Das Leben in einem Kloster:

Leben und Arbeiten in einem Kloster; reiche und arme Klöster; Schulen und Bibliotheken; Frauenklöster,  z.B. die Beginen

  • Hexenverfolgung und -vernichtung
  • Kreuzzüge
  • Erfindungen und Entdeckungen
  • Kunst und Kleidung
  • Gesundheit: Seuchen
  • Kindheit
  • Folter

 

Die Ergebnisse werden abschließend in einem Produkt-Portfolio zusammengefasst.  Hierzu werden - gemeinsam mit den SchülerInnen – die einzelnen Schritte für das Vorgehen der Portfolioarbeit entwickelt und auf Plakaten festgehalten, damit sich die SchülerInnenkonkret orientieren können.

Vorgehen beim Wahlthema?
   
 
Themenfindung:
1.  Planung: recherchieren,  Informationen  sammeln,  Übersicht  erstellen,  sich  für  ein Thema entscheiden, ein Endprodukt überlegen
2.  Materialien auswerten, Systematik (Gliederung) erstellen
3.  Inhaltliche Arbeit:Sinn entnehmendes Lesen und Verstehen
4.  Erstellen einer Vorschrift / Überarbeitung der eigenen Texte (Reinschrift)

5.  Zusammenstellung und Gestaltung des Gesamtportfolios
6.  Beratung: begleitende Beratung zum laufenden Arbeitsprozess;
8.  Präsentation:  Erarbeitung  einer  Plakatierung  (nach  gemeinsam  erstellten  Kriterien s.u.)
9.  Vorbereitung und Präsentation des Vortrags
10. Reflexion: Reflexion des eigenen und eines MitschülerInnen-Portfolios


Nachdem die SchülerInnen über das sie interessierende Thema recherchiert haben, werden die  vielfältigenInformationenund Materialien ausgewertet, um anschließend mit der individuellen Textproduktion zu beginnen.
In dieser Phase ist ein intensiver Austausch zwischen Lehrkraft und SchülerInnen über konkrete Fragestellung, Umfang, Inhalt, Struktur und sprachliche Ausrichtung notwendig, um zum einen die individuelle Anspruchsebene in den Blick zu nehmen und außerdem gemeinsam zu überlegen, welcher Umfang für die individuellen Leistungen der einzelnen SchülerInnen machbar und angemessen ist.


Im laufenden Arbeitsprozess ist es weiterhin notwendig, in Beratungsgesprächen den Zwischenstand der Arbeit protokollarisch fest zu halten, um Ziele zu konkretisieren, Schwierigkeiten und Probleme zu erkennen und das Endprodukt in den Blick zu nehmen.


Viel Wert legen die SchülerInnen zumeist auf die anschauliche Gestaltung ihres Portfolios. Hierzu wird vorher gemeinsam überlegt und diskutiert, welche Form das Endprodukt haben könnte und Ziele für die Gestaltung abgesprochen.


Zentral sind die abschließenden Reflexionen der Endprodukte. So reflektieren alle Schülerinnen und Schüler zunächst ihr eigenes Portfolio. Anschließend findet eine Reflexion durch MitschülerInnen statt, was auch umgekehrt stattfinden kann. Alle SchülerInnen analysieren so ein weiteres Produkt und geben eine nachvollziehbare Einschätzung der zu bewertenden Arbeit ab. Die Lehrkraft nimmt abschließend eine zusammenfassende Bewertung vor, die zudem für die Beurteilungen zum Schuljahresende zentral ist.


Wichtig ist bei diesemUnterrichtsvorhabenauch die mündliche Präsentation der vielen, individuellen Themen. Hierauf bereiten sich die SchülerInnen sehr sorgfältig vor und entwickelnvorher auch hier entsprechende Kriterien und notieren ihre Ergebnisse zumeist anschaulich auf Plakaten.


Präsentationskriterien
1. Vorbereitung: umfangreich, vielfältig, verlässlich
2. Präsentation: interessant, ideenreich, überzeugend, frei vorgetragen, verständlich, überzeugend …
3. Medien / Materialien: passend, interessant, vielfältig …
4. Methoden: kreative Ideen (Plakat, Powerpoint, Handout, Foto-, Bildmaterial, Filmausschnitt, kleine Szenen, Quiz …)

Ein wesentliches Ziel ist, dass die „Schülerinnen und Schüler einen eigenen, selbst und gemeinsam bestimmten Arbeits- und Lernprozess [zu] gestalten, bei dem nach und nach etwas entsteht, das anderen gezeigt werden soll […], um so der Individualisierung der Lernarbeit viel Raum zu geben“ (Winter u.a. 2008, 25).


Mittelalter: Unterrichtsvorhaben aus dem Erfahrungsbereich Deutsch/Soziale Studien

 

 

Portfoliobeispiel "Kinder im Mittelalter"

 

 

  Mathematik

texxxt

Beispiele aus dem Erfahrungsbereich Mathematik

Flächenberechnung

 

Statistik

 

  Wahrnehmen und Gestalten

Im Erfahrungsbereich Wahrnehmen und Gestalten gibt es neben dem zweistündigen Pflichtunterricht in den Jahrgängen 6 – 10 im Wahlpflichtbereich folgende Kurse:


Inhaltlich steht die individuelle Ermutigung und Förderung der kreativen Fähigkeiten der jeweiligen Schülerinnen und Schüler im Vordergrund. Dies hat zur Folge, dass in diesem Bereich die Erstellung von Portfolios nicht nach einheitlichen, vorgegebenen Mustern erfolgen kann, sondern sich nach den jeweiligen Themen an den Arbeitsformen und Prozessen orientiert und daraus entwickeln kann. Der Prozess der kreativen Bearbeitung verschiedener Themen wird sehr unterschiedlich dokumentiert. Dies kann schriftlich erfolgen als Arbeitstagebuch, als Protokoll oder es kann medial in Form von Fotos oder Filmen dokumentiert werden. Es folgt stets eine dem Produkt angemessene Präsentation sowie die Reflexion der eigenen Arbeit und die abschließende Begutachtung durch die Lehrerin bzw. durch einen / eine andere/n SchülerIn.
Diese  Vorgehensweise  wird  hier  an  zwei  Beispielen  aus  dem  Leistungskurs Textildesign verdeutlicht.

LK Textil:   Thema – Gewebe
Im ersten Halbjahr wird neben der Einführung in unterschiedliche Techniken des Textilen  Gestaltens,  dem  Nähen,  Knüpfen,  Filzen....  zu  verschiedenen Themen gearbeitet, z.B. Gegensätze, Blumen, Gewebe, Löcher, Erinnerungen. Die SchülerInnen sammeln zu den jeweiligen Themen bekannte und verwandte Wörter, Beispiele, Sprichwörter, fertigen Skizzen an. Für die künstlerische Bearbeitung der Themen werden Material, Farbe, Größe des Produkts vorgegeben. Vor Beginn der Arbeit am Projekt müssen die Schülerinnen einen individuellen Arbeits- und Zeitplan erstellen, der am Ende der Stunden von der jeweiligen SchülerIn überprüft und reflektiert wird.


Fragen wie

werden gesammelt, beantwortet und erleichtern die Weiterarbeit.

Verlauf des Unterrichts:
Die SchülerInnen setzen sich mit dem Begriff Gewebe auseinander: Was bedeutet das Wort? Was sind Gewebe? Wo finde ich Gewebe?
Diese schriftliche Sammlung, teilweise durch Skizzen dargestellt, ist die Grundlage für gemeinsame Gespräche und für die Ideenfindung.
Die unterschiedlichsten Materialien – Wolle, Bänder, Stoffe, Papiere, Holzfasern, Folien usw. – werden vorgegeben. Die SchülerInnen wählen nach eigenen Vorlieben, Fähigkeiten, Voraussetzungen ihr Material, bearbeiten und verarbeiten dies zu ihrer individuellen Interpretation zum Thema Gewebe. Hier einige Beispiele:


Die schriftliche Dokumentation der einzelnen Arbeitsschritte sowie deren Reflexion bringen auch zufällig entstandene Ergebnisse ins Bewusstsein und führen so zu einer Bewertung.
Wichtige Voraussetzung für das Gelingen sind kritische Offenheit gegenüber der eigenen Arbeit, das Erstaunen über ein gelungenes Experiment, das Verändern einer Idee oder eines Plans:

Die Präsentation der eigenen Arbeit mit einem kurzen Vortrag lässt die anderen SchülerInnen an dem eigenen Arbeitsprozess teilhaben und stellt das Ergebnis zur Diskussion.
Die Begutachtung durch eine andere SchülerIn bezieht den gesamten individuellen Arbeitsverlauf, die Experimentierfreude oder die Schwierigkeiten mit ein und führt gleichzeitig zum Verständnis und zur Wertschätzung der anderen Arbeiten.

LK Textil: Selbstständige Arbeit
Nachdem im ersten Halbjahr mit den SchülerInnen verschiedene Techniken und Grundlagen der künstlerischen Gestaltung erarbeitet und erprobt worden sind, haben sie im zweiten Halbjahr die Möglichkeit, eigene Ideen, Themen, Projekte auszuprobieren und zu verwirklichen.
Die auf diese Art erarbeiteten wichtigen Grundlagen ermöglichen eine zunehmend selbständige künstlerische und individuelle Umsetzung eigener Ideen im zweiten Halbjahr.
Die gemeinsamen Arbeitsformen und Vorgehensweisen sind:


Die  Planung  bzw.  Ideenfindung  ist  ein  individueller  Prozess  und  erfordert  viel  Selbständigkeit.

Um Unsicherheiten abzubauen, sind Fragen nach Materialien und Techniken zu beantworten. Dazu sind in dieser Phase intensive Beratungsgespräche zwischen Lehrerin und SchülerIn notwendig und Hilfestellungen, Tipps – wo finde oder bekomme ich...? – werden ausgetauscht.

Sind die Planungen konkret, kann mit der Erstellung eines Zeit- und Arbeitsplans begonnen werden. Da die Dauer des Projekts von der Lehrerin vorgegeben worden ist, wird ein Arbeits- und Zeitplan wichtig. Eine kurze Beschreibung der einzelnen Arbeitsschritte am Ende jeder Unterrichtstunde macht die eigene Arbeitsweise bewusst, zeigt schnell Probleme, wirft Fragen auf und trägt zu einer Dokumentation bei, die auch durch Foto- oder Filmmaterial ergänzt werden kann. Die Präsentation der Ergebnisse wird von jeder SchülerIn individuell vorbereitet. Sie sollte das entstandene Produkt entsprechend in Szene setzen und vorstellen. Dies sollte von jeder SchülerIn gut vorbereitet werden. Der Zeitpunkt ist für alle bindend.
Die anschließende Reflexion verdeutlicht noch einmal den Entstehungsprozess. Sie ist  so  verschiedenartig  und  bunt  wie  das  Produkt .


 

 

Beispiele aus dem Erfahrungsbereich Wahrnehmen und Gestalten

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