Portfolio aus der Sicht der Eltern

Im Forschungs- und Entwicklungsvorhaben war es uns sehr wichtig, sowohl die SchülerInnen- als auch die Elternperspektive zu erfassen. Es erschien uns dabei eine Elternbefragung am sinnvollsten. Um die Meinung der Eltern zu den Erfahrungen ihrer Kindern mit der Portfolioarbeit an der Laborschule einzuholen, wurden im Rahmen zweier Elternabende zu diesem Thema Fragebögen ausgeteilt und auch wieder eingesammelt. Der Fragebogen umfasste 6 Fragen, unter anderem zur Einschätzung des Arbeitsumfanges und zur Bewertung der Rückmeldung. Die Eltern konnten sich schriftlich frei zu allen Punkten äußern.

Hier nun die Fragen und Antworten der beiden Befragungen.

 

  Habt ihr von der Portfolioarbeit etwas mitbekommen und wenn ja, was?


Zur Frage, wie viel die Eltern von der Portfolioarbeit ihrer Kinder in der Schule mitbekommen haben bzw. was sie konkret an ausgearbeiteten bzw. im Entstehen begriffenen Portfolios gesehen haben, antworteten einige Eltern, dass sie alle Portfolios gesehen hätten, dass sie Teile wie Bilder, Texte gesehen hätten bzw. das gezeigt bekommen hätten, was ihre Kinder am liebsten bearbeitet hätte.
Eine Vielzahl gab 2012 an, den Prozess der Entstehung mitbekommen zu haben. Zum Teil wurde schon an den Vorüberlegungen zum Thema teilgehabt, zum Teil nur der Stress kurz vor Abgabe wahrgenommen.

Haben eure Kids zu Hause daran gearbeitet? Wenn ja, woran?

  
Die Frage nach der häuslichen Arbeit an Portfolios wurde mehrheitlich bejaht: Zuhause sei im Internet und in Büchern recherchiert worden, es seien Abschriften am PC oder per Hand gemacht worden etc. Nur wenige Eltern haben keine Arbeit zu Hause erlebt. Bei der Befragung 2012 fällt auf, dass der Computer im Zentrum der Arbeit steht, denn es wurden größtenteils entweder Informationen im Internet herausgesucht oder Texte am PC geschrieben. Außerdem drehte sich viel um die äußere Gestaltung, die Platzierung von Fotos und das Formulieren von Texten.

Habt Ihr sie dabei unterstützt? Wenn ja, in welcher Form?


Unterstützung – darauf zielte diese Frage ab – hatten viele Eltern ihren Kinder mit unterschiedlichen Hilfeleistungen angedeihen lassen: Korrekturlesen, gemeinsame Internet- und Buchrecherche, Text- und Bildbearbeitung etc. Es wurde aber auch zur Weiterarbeit motiviert und etwaige Ängste vor der Abgabe und Präsentation der Arbeit besprochen. Lediglich zwei Bögen wiesen die Antwort: „Keine Einmischung erwünscht“ aus.

Unterscheiden sich Eurer Meinung nach Portfolioarbeiten von anderen Arbeiten (z.B. von Heft- und Bucharbeit)?


Der Vergleich zwischen Portfolioarbeit und anderer Arbeit (z.B. in Heften, auf Blättern) in dieser Frage fiel eindeutig zugunsten der Portfolioarbeit aus: Die Eltern erführen mehr, weil diese Arbeiten mehr gezeigt würden. Hierbei entstünden schöne Produkte, die man zeigen kann, es sei ein Zuwachs an Kreativität zu verzeichnen sowie ein Zuwachs in der Verarbeitung von Lernstoff. Zudem sei die Portfolioarbeit vielfältiger und eigenständiger und fördere Interessen und Eigeninitiative.
Im Bezug auf den Vergleich von Leistungen ließen sich unterschiedliche Stimmen vernehmen: Positiv herausgestrichen wurde, dass eine bessere Ein- und Wertschätzung erfolge und dass durch die Portfolioarbeit eine sehr differenzierte Bewertung von Leistung ermöglicht werde; negativ beanstandet wurde, dass der Referenzrahmen für die Leistungsbewertung fehle und somit häufigere Veranstaltungen im Stile des „Produktmarktes“ hilfreich wären.


Bei der Portfolioarbeit sollen die Schülerinnen und Schüler neben den Inhalten, die sie bearbeiten, Selbständigkeit und Reflexion, d.h. das Nachdenken über ihre Arbeit und auch andere Arbeiten einschätzen und bewerten lernen. Sind das für euch hilfreiche und sinnvolle Kompetenzen?


Darauf, ob ihre Kinder – so wie beabsichtigt – über die Portfolioarbeit auch an Selbstständigkeit und Reflexionsfähigkeit gewinnen würden, antworteten die Eltern, dass sie erlebten, dass ihre Kinder mit den zunehmenden Anforderungen wachsen würden, dass sie sehr selbstständig arbeiten würden, dass sie darüber u.a. lernten, sich mehr zu organisieren. Sie äußerten aber auch, dass es eine anspruchsvolle Herausforderung sei, die die Kinder mitunter überfordere und auch Fertigstellungsdruck erzeuge. Die mit der Portfolioarbeit verknüpften Kompetenzen Selbstständigkeit und Reflexion werden von ausnahmslos allen Eltern als sinnvolle Kompetenzen wertgeschätzt. Zudem werde das Selbstwertgefühl gestärkt und die mit der Portfolioarbeit verknüpfte Reflexion sei der Schlüssel zum persönlichen Potential.

Ihr habt die bisherige Portfolioarbeit Eurer Kinder auf dem heutigen Elternabend kennen gelernt. Wünscht ihr euch eine weitere Form der Information?


Bei einer Portfolioarbeit – Mittelalter – wurden die Eltern direkt gebeten, einen Kommentar zum Portfolioprodukt und der Eigenbewertung bzw. den Fremdbewertungen zu schreiben. Diese Form sollten die Eltern in einer anschließenden Frage noch einmal bewerten. Sie haben sie 2011 überwiegend als „gute Form der Einbeziehung“ empfunden, sie als Ausgangsbasis für Gespräche mit ihren Kindern genutzt. Andererseits äußerten einzelne Eltern, dass es für sie schwer gewesen sei, Kritik zu äußern. Die Anforderungen, die die Portfolioarbeit an ihre Kinder stellt, werden von den Eltern 2012 unterschiedlich bewertet: zum einen als sehr hart und stressig, da sie viel Freizeit und Ferien beanspruche, zum anderen als eine Routine, die mittlerweile durch die vermehrte Arbeit damit zu bewältigen ist. Als besonders positiv herausgestrichen wurde, dass die Kinder die Herausforderung annehmen und an dieser wachsen können.



Zusammenfassung
Zusammenfassend kann für die Auswertung des Elternfragebogens 2011 festgehalten werden: Wenn die Eltern in die regelmäßige Portfolioarbeit ihrer Kinder einbezogen werden, dann profitieren sie davon: Sie werden informiert, sie werden unterstützend einbezogen, sie nehmen die Wertschätzung und Motivation, die ihre Kinder bestimmten Portfolioarbeiten entgegenbringen, deutlich wahr, sie empfinden sie als eine gute Ausgangsbasis für Gespräche.
In der Gesamtschau ergibt sich nach der Auswertung der Elternfragebögen 2012 ein etwas differenzierteres Bild; obgleich auch Kritik geäußert wurde – diese bezieht sich zumeist auf die Beurteilung der entstandenen Portfolios, es sollten Leistungen deutlicher anerkannt und nicht so sehr auf die Optik geachtet werden – überwiegen doch ganz deutlich die positiven Eindrücke. Es wird als schön empfunden, die Arbeiten der Kinder zu sehen und so mehr über die Fähigkeiten des eigenen Kindes zu erfahren. Ein Schlusskommentar wie: „Portfolio finde ich klasse!“ unterstreicht dies in prägnantester Form.